Taekwondo-Infos

Taekwon Do bezeichnet eine koreanische, waffenlose Kampfsportart, die gleichzeitig eine wirkungsvolle Selbstverteidigung bietet. Das Wort Taekwon Do teilt sich in Tae (Fuß), Kwon (Faust) und Do (geistiger Weg) auf, was auf die Vielseitigkeit der Sportart hinweist.

1. Geschichte des TKD

Vor ca. 1800 Jahren gab es in Korea eine waffenlose Selbstverteidigung, genannt Subak, in welcher Handtechniken dominierten. Nach etwa 300 bis 400 Jahren entstand eine weitere Form der Selbstverteidigung, in der vornehmlich Beintechniken ausgeführt wurden. Diese hatten den Namen Taekyon, welcher als Bezeichnung für die Verknüpfung der beiden Kampfsysteme zu einem einzigen diente. Das neu entstandene Kampfsystem erlebte seine kulturelle Blütezeit an Palästen in den verschiedenen Provinzen Koreas. Das Kampfsystem erfüllte zudem auch militärische Zwecke und wurde Hwarang Do genannt. Steinskulpturen von ca. 550 n. Chr. zeigen die Techniken des Taekyon, die dem heutigen Taekwon Do entsprechen.
1393 bis 1910 verlor das Taekyon durch den Wechsel vom Konfuzianismus zum Buddhismus als neuer Staatsreligion jegliche Bedeutung. 1909 bis 1945 war unter japanischer Besetzung Koreas ein Ausüben der Kampfkünste verboten. Die Tradition wurde jedoch von wenigen Anhängern geheim fortgesetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg lebte die Tradition des Taekyon im Zuge der Rückbesinnung auf ein Nationalbewußtsein wieder auf, und Kampfsportschulen wurden flächendeckend in Korea eröffnet. Die Aufsplitterung des Taekyon in einzelne Teildisziplinen veranlaßte General Choi Hong Hi 1955 dazu, eine einheitliche Form, das heutige Taekwon Do zu benennen. 1965 bereisten erstmal Großmeister des Taekwon Do Europa und Amerika, um ihre Kampfkust vorzustellen und um Anhänger zu werben. Die Folge war die Gründung zahlreicher Kampfsportschulen auf dem amerikanischen und europäischen Kontinent. 1966 wurde die Internationale Taekwon Do Federation (ITF) unter Vorsitz General Choi Hong Hi gegründet. Schon 1967 wurde die erste Deutsche Einzelmeisterschaft in München ausgetragen. Nach der Gründung der World Taekwon Do Federation (WTF) im Jahre 1973 fand die erste Weltmeisterschaft im Vollkontakt-Westenkampf statt. Zur gleichen Zeit entstand die Deutsche Taekwon Do Union (DTU) als Dachverband der Taekwon Do Vereine in Deutschland und wurde in den Deutschen Sportbund aufgenommen. Weit verbreitete Popularität erlangte das Taekwon Do als Vorführdisziplin in Seoul 1982 und 1992 in Barcelona. Für das Jahr 2000 ist Taekwon Do als olympische Disziplin durch das Olympiakommitee anerkannt worden.

2. Elemente des TKD

Die Schulung des Taekwon Do umfaßt folgende Bereiche: Poomsae, Grundtechniken, Selbstverteidigung, Kampf und den philosophischen Hintergrund (Do).

 

2.1 Poomsae

 

Poomsae bezeichnet ein festgelegtes Bewegungsdiagramm in unterschiedliche Richtungen. Verschiedene Abwehr- und Angriffstechniken gegen imaginäre Gegner müssen kraftvoll, konzentriert und rhythmisch ausgeführt werden. Dabei kommt es auf die korrekte Fußstellung und Atmung an. Diese Bewegungsabläufe müssen an der Stelle beendet werden, an der sie vom Taekwondoka begonnen wurden. Es gibt insgesamt 17 Poomsae, von denen die ersten 7 als Grundpoomsae und ab der 8.Poomsae als Meisterpoomsae bezeichnet werden. Die Formen dienen als Prüfungsgrundlage für die Kup und Danprüfungen (Gürtelprüfungen). Ebenfalls werden auch Meisterschaften in dieser Teildissziplin ausgetragen.

 

2.2 Grundtechniken

 

Fußtechniken: Man unterscheidet verschiedene Fußtechniken, die frontal, seitlich, nach hinten, gedreht, von oben nach unten und im Halbkreis ausgeführt werden. Dabei kann mit dem Spann, mit der Ferse, dem Fußballen und der Fußaußenkante getroffen werden.

Handtechniken: Hier werden Angriffs- und Abwehrtechniken unterschieden. Als Angriffstechnik verwendet der Schüler die Faust, die innere und äußere Handkante, den Handballen, den Ellbogen und die Fingerspitzen. Abgewehrt wird mit der Innen- oder Außenkante der Unterarme.

Fußstellungen: Im Taekwon Do existieren verschiedene Fußstellungen wie die Grund-, Vorbereitungs-, Ausgangs-, Rückwärts-, Kreuz- und Einbeinstellung, die in Verbindung mit Armtechniken erlernt werden.

 

2.3 Selbstverteidigung

 

Bei der Selbstverteidigung im Taekwon Do wird der Schüler befähigt, sich gegen einen Angreifer mit oder ohne Waffeneinsatz zur Wehr zu setzten. Dabei ist darauf zu achten, daß die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Mittel gewahrt bleibt. Durch die routinemäßige Übung mit dem Partner erlernt der Taekwondoka, mit unvorhergesehenen Angriffssituationen wie z.B. ein Angriff mit einem Messer oder durch Würgen angemessen umzugehen.

 

2.4 Bruchtest

 

Für die fortgeschrittenen Taekwondoka steht der Bruchtest, das Zerschlagen oder Zertreten von Brettern, Ziegelsteinen o.ä. auf dem Prüfungsplan. In den Trainingseinheiten werden die Bruchtests nicht geübt. Für den Schüler dient der Bruchtest zur Überprüfung seiner korrekten Ausführung der Techniken und zur Konzentration seiner Kraft auf ein bestimmtes Ziel hin. Auf Kampfkunstvorführungen stellt sich Taekwon Do häufig über diese Teildisziplin vor, da Bruchtests als publikumswirksam gelten.

 

2.5 Kampf

 

Beim Kampf im Taekwon Do unterscheidet man Ilbo-Taeryon, das Einmaleins und den Freikampf. Ilbo-Taeroyon wird als Ein-Schrittkampf bezeichnet, bei dem sich zwei Schüler im Abstand von einer Armlänge gegenüberstehen. Gegen den Angriff einer Faust muß der Partner mit einer Abwehr- und später mit einer Angriffstechnik reagieren, wobei die Techniken wenige Zentimeter vor dem Ziel abzubremsen sind. Auch hier sind die Bewegungsabläufe schematischen Vorschriften unterlegen und dienen gleichzeitig der Schulung von Reaktionsfähigkeit und Körperbeherrschung.
Anders verläuft das Einmaleins. Im schnellen Wechsel werden vorwiegend Fußtechniken ausgetauscht, wobei auch hier die Technik vor dem Ziel gestoppt wird. Bei dieser Übung können selbständig Techniken ausgewählt und ausprobiert werden.
Der Freikampf wird auf Wettkämpfen als Vollkontaktsportart praktiziert. Hierbei trägt der Sportler eine Weste, einen Kopfschutz, Unterarm- und Schienbeinschoner und einen Unterleibschutz. Nach den Wettkampfregeln darf der Gegner mit dem Fuß ab dem Becken aufwärts getroffen werden, jedoch nicht der Hinterkopf und der Rücken. Mit der Faust darf lediglich der vordere Teil der Weste attakiert werden. Gewertet werden die Treffer, die bei dem Gegner eine sichtbare Wirkung erzielen als da wären das Verlieren des Gleichgewichts, Atmungsprobleme oder das technische K.O., wobei der Kämpfer bis 10 ausgezählt wird. Vier Punktrichter, ein Mattenleiter, ein Vorsitzender und ein Zeitnehmer kontrollieren und bewerten den Kampf.

 

2.6 Der geistige Weg: Do

 

Das Do stellt eine bestimmte Denkweise und Lebenseinstellung dar, die eine besondere Selbstdisziplin auf dem Weg zum Ziel fordert. Beim Do geht es darum, sich selbstkritisch einzuschätzen, eigene Schächen und Stärken zu erkennen und sportliche Erfolge auf sich zurückzubeziehen. Um zur Selbsterfahrung zu gelangen, ist jahrelanges Training sowie die Bereitschaft des Schülers notwendig. Sowohl auf dem meditativen Wege als auch über das konzentrierte Hyonglaufen kann man einen solchen Zustand erreichen. Nicht das ausschließliche Ziel, ein erfolgreicher Kämpfer zu sein, sollte beim Taekwon Do im Vordergrund stehen, sondern die Besinnung auf den eigentlichen Weg dorthin.

 

3. Kampfkunst oder Kampfsport

Ein detailliertes Eingehen auf den Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Aus diesem Grund sei tabellarisch auf einige wesentliche Unterschiede bei beiden Richtungen hingewiesen, wobei die verschiedenen Sportschulen sich in unterschiedlicher Weise der einen oder anderen Disziplin verbunden fühlen, eine strikte Trennung jedoch in den meisten Fällen nicht erfolgt.

 

Kampfsport - Kampfkunst

wettkampforientierter Leistungssport modern - traditionsorientiert
Leistung / Erfolg - innere Aspekte
Erfolg über andere - Erfolg über sich selbst
zielorientiert - wegorientiert
Politik des Sports - kultur-philosophischer Hintergrund
anwendungsorientiert - Geistschulung
Trainer - Lehrer
Turnhalle - Dojang (atmosphärisch)
Kampf gegen Gegner (Pokale) - Kampf mit Partner (zur Selbsterkenntnis)

 

Diese kurze Einführung in die Sportart Taekwondo wurde zitiert nach der Arbeit "Taekwon Do in der Sportschule Gümüs" von Daniela Vahl, angefertigt im Wintersemester 1994/95 an der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal